Warum brauchen wir eine Ernährungswende?

Eine Ernährungswende in Oberfranken ist wichtig und notwendig. Unsere Lebensmittelerzeugung trägt in erheblichem Maße zum Klimawandel bei: 30 % des weltweiten Energieverbrauchs und 40 % der weltweiten Treibhausgasemissionen sind auf den Lebensmittelsektor (inclusive Verarbeitung, Verpackung, Lagerung, Transport) zurückzuführen. Gleichzeitig ist Landwirtschaft auch unmittelbares Opfer von Klimawandel, wir sehen hier wie nirgendwo anders, dass die Erderhitzung ein existentielles Risiko ist.

Gleichzeitig ist die industrielle Landwirtschaft in hohem Maße für das Überschreiten der planetaren Leitplanken verantwortlich: Schadstoffeinträge in das Grundwasser, Artensterben und Bodendegradation verursachen global wie lokal erhebliche Probleme.

Die zunehmende Globalisierung und Exportorientierung seit den 50-gern hat zu einem Fokus auf billige Massenproduktion, dem Sterben von kleinbäuerlichen Betrieben und einer damit einhergehenden Monopolisierung und Machtkonzentration in der Lebensmittelindustrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette geführt.

Folgen dieses Systems sind Vulnerabilität durch Fremdversorgungsabhängigkeit, mangelnde Transparenz bezüglich Lebensmittelherkunft, Anonymisierung und Entfremdung. Wir leben in einem System von extremen Gegensätzen: Während auf der einen Seite 800 Millionen Menschen Hunger leiden, werden gleichzeitig jedes Jahr 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen.

Was ist eine Ernährungswende?

Diese Probleme zeigen, dass wir dringend eine Agrar- und Ernährungswende brauchen. Eine solche Ernährungswende muss die systemische Komplexität unseres jetzigen Ernährungssystems adressieren um ein krisenfestes, resilientes und faires System aufzubauen.

Unser Ernährungssystem umfasst mehr als nur die Erzeugung, sondern betrifft die ganze Lebensmittelwertschöpfungskette. Eine tiefgreifende Transformation muss an allen Kettenelementen ansetzen und Kettenanfang und Kettenende wieder verbinden.

Eine Ernährungswende bedeutet eine Versorgung mit regionalen, fairen, ökologischen Produkten und entsprechenden Dienstleistungen, aber geht noch weit darüber hinaus: Sie erfordert eine Neuausrichtung nicht nur der Art und Weise wie wir produzieren, sondern auch wie wir wirtschaften. Es braucht neue Formen von ökonomischer Nähe und eine neue Logik, die die alte Logik der „Produktivitätssteigerung um jeden Preis“ hinter sich lässt.

Wie aber erfolgt der Übergang zu einem anderen Ernährungssystem? Schon jetzt und hier! Überall sprießen Initiativen aus dem Boden, welche alternative Landwirtschafts-, Ernährungs- und Finanzierungskonzepte entwickeln und schon heute am Ernährungssystem der Zukunft arbeiten. Auch in Oberfranken sind diese Initiativen inzwischen zahlreich vertreten und werden deshalb auch vom forum1.5 bei der Arbeit an der Ernährungswende unterstützt und begleitet. Noch sind diese Initiativen eine Nischenbewegung, die sich aber im Zusammenspiel mit dem immer größer werdenden Druck aus der übergeordneten Landscape Ebene zu tragfähigen Lösungen auf systemischer Eben entwickeln können.

Projekte im Handlungsfeld Ernährung

Ernährungsrat Oberfranken

Kommunale Ernährungspolitik

Hamsterbacke e.V.

Regionalwert AG Oberfranken

Öko-Modellregion Fränkische Schweiz

Ansprechpartnerin:

Julia Marx | julia.marx@uni-bayreuth.de